Dienstag, 31. Mai 2016

Polaroidgedanken #2

Hallo liebe Buchfreunde,

heute stelle ich euch die zweite Geschichte meiner Reihe "Polaroidgedanken" vor. Hierbei handelt es sich um eine Kurzgeschichte, die ich neulich geschrieben habe und die ich Euch nicht vorenthalten wollte. Sie trägt den Namen "The Girl next Door".


Ich bin der Meinung, dass jede Person, die wir im Laufe unseres Lebens treffen, eine Bedeutung hat. Zufälle gibt es nicht. Ich glaube nicht an Gott oder Karma, aber ich glaube an Schicksal. Und Schicksal war es mit Sicherheit, dass an meinem siebten Geburtstag in das Haus direkt neben uns, das zuvor Monate lang leer gestanden hatte, wieder eine Familie einzog.
Es war ein schöner Junitag, als der Umzugswagen vorfuhr. Ich war mit meinen Freunden im Garten, wo meine Eltern einen langen Tisch aufgebaut hatten. Wir spielten Topfschlagen und „Blinde Kuh“ und meine Eltern hatten mir ein Fußballtor geschenkt, das wir anschließend einweihten. Der große Wagen jedoch weckte unser aller Aufmerksamkeit.
Unser Grundstück war vom Nachbargrundstück durch einen Holzlattenzaun abgegrenzt, über den Wir zu dieser Zeit noch nicht sehen konnten. Als meine Eltern jedoch einmal nach drinnen gegangen waren, nutzten wir Jungen die Zeit, um gegenseitig auf die Schultern der anderen zu klettern und über jenen Zaun zu spähen.
Die Familie hat eine Tochter in meinem Alter, die so wie ich ein Einzelkind ist. Da wir beiden die einzigen Kinder in der Straße sind, hätten wir eigentlich schnell Freunde werden müssen, doch dem war nicht so. Lange Zeit hatte ich nicht einmal ihren Namen gekannt, bis ich einmal hörte, wie sie von ihrer Mutter „Stella“ gerufen wurde.
Obwohl ich in den nächsten Tagen nach dem Einzug regelmäßig mit meinem besten Freund Noah draußen auf der Straße auf einem alten Skateboard gesessen und gehofft hatte, dass Stella sich eines Tages zu uns setzen würde, ließ sie sich nicht bei uns blicken. Was sie tat, das wusste ich nicht, doch es dauerte nicht lange, bis ich sie regelmäßig mit zwei Mädchen aus dem Dorf sah. Von da an schrumpfte langsam meine Hoffnung, mich mit ihr anzufreunden, bis wir im September auf die gleiche Schule kamen.
Noah reißt mich aus meinen Gedanken, als er neben mir den Spind zuschlägt. Seine Bücher hat er unter dem Arm, ich stehe noch immer an meinem Schrank und  starre abwesend hinein. Mir ist entfallen, was ich tun wollte und welche Bücher ich jetzt brauche, doch Noah hilft mir. Er reicht mir mein Mathebuch und schließt dann den Spind ab. Wissend lächelnd klopft er mir auf die Schulter und schiebt mich den Gang hinab.
„Wer zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht?“, fragt er mich dann, während wir gemeinsam auf unseren Klassenraum zusteuern.
„Als wüsstest du das nicht“, seufze ich.
Genauso wie ich hat Noah es nie gewagt, Stella anzusprechen. Anfänglich interessierten wir uns auch nicht sonderlich für sie. Sie war ein Mädchen und spielte mit ihren Freunden im angrenzenden Garten, während wir Jungs bei mir zu Hause Fußball spielten.
Noah klopfte mir erneut auf die Schulter und wir betreten gemeinsam unser Klassenzimmer. Wir sind spät dran, doch wir schaffen es, vor unserem Lehrer durch die Tür zu schlüpfen.
Ich lasse meine Tasche auf meinem Platz in der ersten Reihe nieder und Noah gesellt sich zu mir.
Stella war nie mit mir in einer Klasse gewesen. Wir waren viele Kinder in meinem Jahrgang und selbst, als wir auf die High School kamen, schaffte ich es nie, einen Kurs so zu belegen, dass ich ihn mit Stella teilte.
Mathematik zählte nie zu meinen Lieblingsfächern, obwohl ich nicht schlecht darin war. Generell war ich recht gut in der Schule, was verwunderlich war, da ich die meiste Zeit meinen Gedanken hinterher hing. Stella war allgegenwärtig und während Noah und meine Klassenkameraden sich mit Algebra, Chemie und Englisch beschäftigten, dachte ich an sie.
Als sie das erste Mal aus dem Auto ihrer Eltern stieg, trug sie ihre langen, blonden Haare offen. Sie hatte hellblaue Augen und ihre gebräunten Beine steckten in kurzen Shorts. Sie trug ein weißes, ärmelloses Oberteil und eine Kappe, die sie falsch herum aufgesetzt hatte.
Die Kappe trug sie den gesamten Sommer, immer wieder. Bald merkte ich, dass ihre Haare meist zu zwei Zöpfen geflochten waren, was ich traurig fand, da ich ihre Haare offen viel lieber mochte. Doch es sollte noch eine Weile lang dauern, bis Stella sich veränderte.
An dem Tag, an dem wir gemeinsam in der Turnhalle unserer Schule saßen und auf unsere Einschulung warteten, saß sie nur zwei Plätze von mir entfernt. Sie trug ein blaues Kleid und ihre Haare offen, was mich freute, denn den ganzen Sommer hatte ich sie nur ein, zwei Mal ohne die Zöpfe gesehen. Als wir in unsere Klassen eingeteilt wurden, hoffte ich lange, dass ihr Name direkt nach meinem aufgerufen wurde, doch dem war nicht so. Wir kamen in getrennte Klassen und ein ums andere Mal, wenn sie mit ihren Freundinnen an mir im Gang vorbei ging, überlegte ich, sie anzusprechen, doch sie war nie allein.
Selbst auf dem Heimweg kam es selten vor, dass sie ohne ihre Freundinnen nach Hause ging. Sie begleiteten sie bis an die Haustür und verabredeten sich für den Nachmittag. Ich sah ihnen zu und hoffte, dass eines Tages ihr Blick den meinen treffen würde. Doch dem war nie so.
Als die Schulglocke läutet, packten Noah und ich unsere Sachen zusammen und verließen den Raum.
Auf dem Gang begegne ich ihr. Stella hält ihre Schulbücher in der Hand, eine Tasche lässig über die Schulter geworfen. Sie trägt ihre Haare offen und sie fallen ihr bis weit über die Schulter. Von drei Freundinnen begleitet geht sie an mir und Noah vorbei, und Noah stößt mich an. Stella jedoch ist im Gespräch und ich wage nicht einmal ein leises „Hallo“.
Als Stella verschwunden ist, lacht Noah leise. Ich sehe ihr hinterher, bevor ich meine Schulbücher in meinem Schrank einschließe und auf meinen Stundenplan sehe. Es ist noch eine Schulstunde, dann ist der Unterricht beendet. Stella und ihre Freundinnen werden gemeinsam nach Hause gehen. Ich und Noah werden ihnen folgen, immer ein paar Schritte hinter ihnen. Wir werden heimlich über sie reden und Noah wird mich auslachen. Er bewundert sie, jeder Junge tut das. Einmal hatte ich beobachtet, wie ein kleiner Junge, drei oder vier Jahre jünger als wir, ihr heimlich seine Telefonnummer zusteckte. Selbst die kleinsten Jungen verfielen ihrem Charme und auch die Älteren waren nicht davor gefeit.
Stella hatte ihren ersten Freund mit vierzehn. Ich hatte sie einige Male zuvor gemeinsam gesehen. Er war Käpt’n der Footballmannschaft und zwei Jahre älter als sie. Ich hatte gesehen, wie sie in der Mittagspause gemeinsam gegessen hatten, wie sie gemeinsam lernten und miteinander auf dem Pausenhof lachten.
Bis dahin hatte ich nicht geglaubt, dass zwischen ihnen mehr als Freundschaft sein könnte. Dann jedoch war ich eines Tages vor dem Haus gesessen und er hatte an ihrer Tür geklingelt. Stella hatte ihm geöffnet, sie war ihm um den Hals gefallen und er hatte sie leicht hochgehoben. Sie waren einfach das perfekte Paar, das merkte ich sofort, ob ich es wollte, oder nicht. Den Stich im Herzen habe ich jedoch erst gespürt, als Stella ihm einen Kuss auf die Lippen drückte und von dem Moment an wusste ich, dass ich sie nicht nur bewunderte, sondern dass ich sie liebte.
Stella hatte sich verändert. Es war der Sommer, in dem wir beide dreizehn geworden waren. Der Winter war kalt gewesen und Stella war mit ihren Eltern im Skiurlaub gewesen. Ich hatte ihnen dabei zugesehen, wie sie gepackt hatten und dann waren sie lange Zeit weggewesen. Ich hatte sie vermisst, und als sie zurückgekommen war, hatte ich weitere Monate auf ihren Anblick verzichten müssen. Die Kälte hatte Stella dazu gebracht, dicke Winterkleidung zu tragen und die meiste Zeit im Haus zu verbringen. Von unserer Küche aus konnte ich in ihr Wohnzimmer spähen. Ich wollte sie nicht beobachten, doch ich konnte nicht anders. Ich sah, wie sie mit ihren Freundinnen vor dem Kamin saß, wie sie fern sah und wie sie las.
Als der Frühling kam, sah ich sie wieder von nahem. Jetzt trug Stella keine Kleidchen mehr,  sie trug kurze Hosen und enge Tops, hatte lange, glatte Beine und manchmal trug sie Schuhe mit einem kleinen Absatz. Sie benutzte Wimperntusche, Lipgloss und an ihrem Geburtstag das erste Mal Lidschatten.
Stella war zu einer Frau geworden und das war der Moment, in dem die Jungen begonnen, sie mit anderen Augen zu sehen – so wie ich es tat.
Hatte ich vorerst in ihr eine potentielle Spielkameradin gesehen, merkte ich jetzt, dass sie nicht nur geheimnisvoll und sportlich, sondern auch wunderschön und attraktiv war. Ich hatte schon zuvor gewusst, dass sie gerne turnte. Im Garten konnte ich sehen, dass sie Handstände und Purzelbäume schlug und bereits mit neun Jahren war sie in der Lage, den perfekten Spagat zu machen.
Mit vierzehn ging sie in die Cheerleader-Mannschaft unserer Schule. Ich besuchte ihretwegen jedes Footballspiel, doch die meiste Zeit war ich von ihren schlanken Beinen und ihrem muskulösen Bauch, der unter dem kurzen Top zu sehen war, abgelenkt. Nicht selten musste Noah mir am Ende erzählen, wie es ausgegangen war, damit ich am nächsten Tag in der Schule wenigstens etwas mitreden konnte.
Als wir die Middle School abschlossen, wurde Stella zur Ballkönigin gekrönt. Sie war in Begleitung ihres Freundes auf dem Abschlussball und die beiden stiegen gemeinsam auf die Bühne. Stella lachte, als sie die Krone überreicht bekam, sie war bescheiden und sagte ein paar Worte ins Mikro, dankte ihrer Familie und ihren Freunden und verließ dann unter Jubel wieder die Bühne, ihren Freund an der Hand. Die beiden waren so perfekt, dass ich einen Hass entwickelte, der mich erschreckte. Nicht auf Stella, niemals könnte ich sie hassen, aber auf ihren Freund.
„Willst du sie für immer anstarren?“, fragt Noah mich und ich schrecke dadurch aus meinen Gedanken. „Willst du deinen Kindern einmal erzählen, dass du es Jahre lang nicht gewagt hast, ihre Mutter anzusprechen?“
„Aus uns wird nie was werden“, entgegne ich energisch. „Stella ist …“
Mir fällt nichts ein. Jedenfalls ist sie anders als ich. Ich spiele nicht in ihrer Liga.
Ich habe ein paar gute Freunde, doch ich hänge fast eh nur mit Noah rum. Stella jedoch kennt jeden. Jeder kennt sie.
Als ich Noah das erste Mal davon erzählt hatte, wer mein Herz erobert hatte, hatte er mich mitleidig angesehen. Wir wussten beide, dass Stella unerreichbar war, zumal hatte sie zu der Zeit einen Freund gehabt.
„Sie sieht zwar toll aus, aber gut aussehende Mädchen sind immer dumm“, hatte Noah behauptet. „Sie sind oberflächlich und unfreundlich. Sie halten sich für etwas Besseres. Glaub mir, Stella ist keine Ausnahme.“
Wir wussten schon damals beide, dass das nicht stimmt. Stella ist nicht nur hübsch, sie ist beliebt, gut in der Schule, zuvorkommend und immer freundlich. Die Lehrer mögen sie, weil sie aufmerksam und höflich ist, die Mädchen sind neidisch auf sie, doch trotzdem gelingt es Stella, sie zu ihren Freundinnen zu machen. Sie scheint mit jeder Person auf dieser Schule eine Freundschaft zu führen, egal ob Mädchen oder Junge. Ich muss der einzige Mensch sein, der es nie in ihre Nähe schafft.
Ihren ersten Liebeskummer hatte Stella mit fünfzehn. Ihr Freund hatte sich von ihr getrennt und durch das Küchenfenster beobachtete ich, wie Stelle im Wohnzimmer saß und heulte, während ihre Eltern weg waren. Ihre Freundinnen versuchten, sie aufzuheitern, doch es dauerte lange, bis Stella wieder glücklich war.
In der Schule war sie weiterhin immer am lachen, aufgeschlossen und aufmerksam und eine Weile lang fühlte ich mich wie im siebten Himmel, weil ich das erste Mal das Gefühl hatte, mehr über sie zu wissen, als andere.
Ihr Ex-Freund hatte ein halbes Jahr darauf wieder eine neue Freundin, ein Mädchen, das nicht halb so hübsch und intelligent wie Stella war und ich fragte mich, wie er ein Mädchen wie Stella gegen seine Neue eintauschen konnte. Wenn ich es auch nur ein einziges Mal schaffen würde, mit Stella ein Gespräch zum Laufen zu bringen, ich würde nie wieder aufhören, zu reden. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb es ganz gut ist, dass Stella und ich nie wirklich ein Wort wechseln.
Stella blieb Single. Unmengen von Jungen standen auf sie und sie bekam wahrscheinlich mehr Liebesbriefe, als alle anderen Mädchen auf dieser Schule zusammen. Dennoch ließ sie alle abblitzen. Ein weiterer Grund, weshalb ich es nicht wagte, sie einfach anzusprechen.
„Du wirst sie heute noch ansprechen, hörst du?“, fragt Noah mich, als wir uns auf den Weg in den Englischunterricht machen. „Du bist der coolste Typ, den ich kenne, sie kann dich gar nicht abweisen.“
Das stimmt nicht ganz. Stella hatte schon viel coolere Typen abgewiesen und ich wollte keine Abfuhr von ihr kassieren. Lieber schmachtete ich sie die nächsten Jahre aus der Ferne an.
Wir sind sechzehn und es steht fest, dass ich noch sicher zwei Jahre Zeit haben werde, um ihr verliebte Blicke zuzuwerfen. Da sie neben mir wohnt, werde ich vielleicht etwas Glück haben und ich werde sie noch ein paar Mal nach der Schule sehen. Was ich jedoch tun werde, wenn sie aufs College gehen und wegziehen wird, oder noch schlimmer – wenn sie eines Tages wieder einen Freund haben und zu ihm ziehen wird – das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass, solange Stella sich in meiner Nähe befindet, kein anderes Mädchen in meinem Herzen Platz haben wird.
„Ich kann sie nicht ansprechen, Noah, versteh das doch“, bitte ich ihn und sehe mich um. Ich hoffe, dass Stella nicht in der Nähe ist und unser Gespräch vielleicht mitbekommt. Würde sie wissen, dass es sich um sie handelt? Sie ist nicht so eingebildet, als dass sie davon ausgeht, dass alle Jungengespräche sich um sie drehen. Aber früher oder später wird so doch einen meiner Blicke gesehen und ihn gedeutet haben?
Eigentlich muss ich mich nicht schämen. Ich kenne keinen Jungen, der Stella von der Bettkante stoßen würde. Dennoch ist mir die Vorstelllung peinlich, dass Stella von meinen Gefühlen für sie erfahren könnte.
Die letzte Schulstunde vergeht quälend langsam. Die Schulglocke erlöst uns von unseren Qualen und ich bin als einer der ersten aus dem Klassenzimmer draußen. Ich weiß, dass Stella den Gang herunter gerade Mathematik hatte und nur kurz darauf öffnet sich auch die Tür zu ihrem Klassenzimmer. Stella ist eine der letzten, die das Klassenzimmer verlässt. Sie ist in Begleitung von drei Freundinnen und macht sich jetzt selbst auf den Weg zu ihrem Spind. Noah und ich folgen ihr.
Ich habe gar nicht gemerkt, wie gut sie heute wieder aussieht. Sie sieht immer fantastisch aus, aber heute trägt sie ein bauchfreies T-Shirt, das sich eng an ihren Oberkörper anschmiegt und eine enge Jeans die über den Knien auf jeder Seite einen Riss hat. Ihre Sneakers müssen neu sein. Ich glaube, langsam kenne ich jedes Teil in ihrem Kleiderschrank und die Schuhe habe ich noch nie gesehen.
Ihre Haare müssen sie im Unterricht gestört haben, denn sie hat sie jetzt zu einem Zopf zusammengebunden. Sie hat mir den Rücken zugedreht, sodass ich sie nur von hinten bewundern kann. Vor den Schränken bleiben die vier stehen. Zwei von ihnen verabschieden sich von den anderen und verschwinden auf die Toilette, Stella und ihre Freundin bleiben zu zweit zurück. Kurz darauf taucht ein Junge aus der Stufe über uns auf und begrüßt Stellas Freundin. Ich weiß, dass es ihr Freund ist, also ist es nicht verwunderlich, dass sie kurz darauf zusammen verschwinden.
Mein Herz setzt einen Moment aus. Stella ist allein und ich bin nur noch fünf Schritte von ihr entfernt.
Noah erfasst die Situation ebenfalls und klopft mir auf die Schulter.
„Du machst das schon“, flüstert er mir leise zu und verschwindet ebenfalls auf die Toilette. Wie ein Idiot stehe ich allein im Gang, inmitten der Schüler, die sich ihren Weg zum Ausgang bahnen. Ich setze mich langsam in Bewegung und bleibe zwei Schritte vor Stella stehen. Sie sieht mich nicht, hat den Blick auf ihren Spind gerichtet und kramt darin herum. Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, doch mir fällt nicht einmal ein guter Gruß ein. Ich könnte einfach „Hallo“ sagen. Ein „Hi“ würde es auch tun, falls ich mir etwas Zweisilbiges nicht zutraue. Es wäre ganz einfach.
Ich jedoch stehe da wie ein Idiot und sage nichts.
Stella schließt ihren Spind ab und dreht sich um. Einen Moment fällt ihr Blick auf mich, sie scheint mich zu erkennen. Jedenfalls, da bin ich mir sicher, kann sie mich zuordnen. Sie hat mich schließlich auch schon das ein oder andere Mal auf der Straße vor meinem Haus gesehen. Sie wirft mir ein freundliches Lächeln zu und schultert ihre Tasche. Wenn ich jetzt nichts sage, dann verschwindet sie und wer weiß, wann ich die nächste Gelegenheit bekomme. Ich hole Luft und öffne den Mund.
„Hey.“
Stella fährt herum. Hinter ihr steht ein kräftiger Typ mit dunklen Haaren, er hat seine Hände auf ihre Hüften gelegt und bei seinem Anblick legt sein ein Lächeln auf Stellas Lippen.
„Hey“, sagt auch sie und stellt sich auf die Zehenspitzen. Kurz darauf werde ich Zeuge des innigsten Kusses, den ich je gesehen habe. Als die beiden voneinander ablassen, lächelt Stella breit und in ihren Augen sehe ich, dass sie verliebt ist. Wirklich verliebt.
Sie nimmt die Hand ihres Freundes und  eine Sekunde dreht sie sich noch einmal leicht in meine Richtung, offenbar erstaunt darüber, dass ich noch immer da bin. Nochmal lächelt sie, dann gehen sie zusammen weg und ich bleibe zurück.
Das Stechen in meinem Herzen ist mir in der Zwischenzeit bekannt, doch dieses Mal ist es stärker. Mein Verstand weiß sofort, was Sache ist, nicht so wie bei Stellas erstem Freund. Er gibt mir keine Pause, er sagt mir sofort, dass ich sie nie erreichen werde, dass ich nicht gut genug bin.
Stella ist und bleibt außerhalb meiner Reichweite und ich sehe dem Pärchen zu, wie sie gemeinsam auf den Ausgang zusteuern.
Ich schlucke den Kloß im Hals herunter und schultere meine Tasche. Stellas letzte Beziehung hat ein halbes Jahr gehalten. Ich bin schon seit drei Jahren in sie verliebt, die letzten sechs Jahre davor schon wusste ich, dass das Schicksal etwas für uns vorgesehen hat. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich noch eine Chance bekommen werde.
Vielleicht in einem halben Jahr, vielleicht erst in einem oder in drei. Aber sie wird nicht für immer mit diesem Typen zusammenbleiben.
Ich nehme meine Tasche. Noah kommt von der Toilette und fragt mich, wie es lief. Ich zucke die Schultern und sorge dafür, dass er nicht sieht, wie Stella und ihr Freund händchenhaltend vor dem Schulhof stehen, wie sie ihm einen Kuss gibt. Die beiden sind wirklich süß. Sie sind so verliebt. Ich kann warten, und das werde ich auch.

Ich warte lange. Zwei Jahre gehen vorbei und der Abschluss kommt. Stella wird Ballkönigin, was mich nicht wundert. Wieder erklimmt sie mit ihrem Freund die Stufen zur Bühne und sie sehen so glücklich aus, wie am Anfang.
Stella zieht weg, ich gehe aufs College, an Weihnachten besuchen wir beide unsere Familien und ich sehe durchs Küchenfenster, dass Stella ihren Freund dabei hat.
Wir schließen das College zur gleichen Zeit ab und feiern am selben Tag mit unserer Familie, nur einen Garten voneinander entfernt. Ihr Freund sitzt neben ihr, hält ihre Hand.
Ich warte.
Ich treffe Stella auf der Straße, wir nicken uns zu. An ihrer Hand sehe ich einen Ring.
Ich warte weiter.
Zwei Jahre darauf an Weihnachten sind sie nicht mehr alleine. Ich sehe aus dem Küchenfenster, wie Stella mit ihrer Familie Geschenke auspackt. Neben dem Sofa steht ein Kinderwagen und Stellas Mutter trägt ihr Enkelkind im Arm.
Ich beginne zu verstehen, dass meine Chance nicht kommen wird.
Doch ich warte.

Dienstag, 10. Mai 2016

Autorenvorstellung: Agnes M. Holdborg

      Hallo liebe Buchfreunde,
      heute stelle ich euch Agnes M. Holdborg vor. Von ihr sind bereits 5 Romane erschienen und mehrere Kurzgeschichten. Auch in Gemeinschaftsprojekten ist sie viel vertreten. Wer sich etwas über ihr großes Programm informieren möchte, kann das im nachfolgenden Post tun:


      Erzähle uns etwas über dich und dein Buch

Im schönen Münsterland habe ich 1959 (Oh je, die Zeit! - Seufz), und zwar in Borken, das Licht der Welt erblickt. Beruf und Liebe brachten mich, damals war ich neunzehn, über Umwege nach Düsseldorf. Seit dreißig Jahren lebe ich nun schon in Ratingen, immer noch gemeinsam mit meiner großen Liebe. Unsere beiden erwachsenen Kinder wohnen – wie schön! – nicht weit von uns weg.
Die Welt der Buchstaben war schon immer die meine. Allerdings gehörte ich eher der Leserschaft an. Hin und wieder schrieb ich zwar kleine Geschichten und Gedichte, das war’s dann aber auch schon.
Erst im Jahr 2012 überkam mich sozusagen eine Eingebung, der ich, wie aus Zwang, nachkommen musste. Tja, und daraus entstand dann tatsächlich ein Roman. Schon bald folgte die Fortsetzung hierzu.
Im Jahre 2013 traute ich mich dann endlich und veröffentlichte unter dem Pseudonym Agnes M. Holdborg die ersten beiden Teile meiner romantischen Fantasy-Elfensaga „Sonnenwarm und Regensanft“ („Zwei Sonnen“ und „Sonnensturm“) zunächst als E-Books. Im Sommer 2014 brachte ich den dritten Band „Elfenstern“ heraus. Inzwischen sind alle meine Romane auch als Prints bei Amazon erhältlich.
Das Pseudonym Agnes M. Holdborg ist übrigens aus einer Laune heraus entstanden. Jeder, der weiß, dass ich mit vollem Namen Marlies Agnes Borghold heiße, kann sich demnach einen Reim darauf machen, wie es zustande gekommen ist. Ein „Bauklötzchenspiel“ halt! Mittlerweile ist dieses Pseudonym mit mir verwachsen, und ich habe den Namen richtig liebgewonnen.
Fortan hält das Schreiben mich fest in seinem Bann.
Neben dem Romance-Fantasy-Roman „Kuss der Todesfrucht“ veröffentlichte ich im Jahre 2015 außerdem mit „Elfenlicht“ den vierten Band zur „Sonnenwarm und Regensanft“-Reihe. Außerdem habe ich mich mittlerweile an vielen tollen Gemeinschaftsprojekten beteiligt.
Demnächst kommt übrigens etwas ganz anderes von mir heraus, und zwar ein Erotik-Thriller mit dem Titel „Der Horizont ist nah!“. Es war äußerst spannend, mich einmal in einem anderen Genre, und zwar in einem kompletten Roman, zu bewegen, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Die Geschichten in den Büchern „Sonnenwarm und Regensanft“ handeln von einem jungen Paar - die eine Mensch (fast), der andere halber Elfe - ihr Kennenlernen, ihre Liebe, ihre Zweifel und Abenteuer, letztendlich ihre Entwicklung. Das ist sozusagen der rote Faden, der sich durch diese Reihe zieht. Dabei werden aber auch andere Liebesbeziehungen und deren Geschichten geschildert. Es gibt da einen König, der sich bei den Lesern / hauptsächlich Leserinnen äußerst großer Beliebtheit erfreut. Alles in allem geht also um das Leben in seiner ganzen Vielfalt (Liebe, Leidenschaft, Glück – Verrat, Rache und Abenteuer), wie es zwischen verschiedenen Welten (der des westlichen Elfenreiches und der der Menschen, meinst in der Gegend um Düsseldorf) hin und herpendelt. Das Ganze ist gewürzt mit einer gehörigen Portion Fantasie und einer Prise Erotik.
Ich denke, der vierte Band ist nicht der letzte, den ich zu dieser Reihe geschrieben habe.

Wie viele Bücher sind von dir bereits erschienen und wo kann ein interessierter Leser sie erwerben?

Bislang sind 5 Romane von mir erschienen, die sich allesamt im Genre der romantischen Fantasy bewegen. Sie sind über Amazon als Taschenbücher und zudem in jedem anderen gängigen Shop auch als E-Books zu beziehen. Wer möchte, kann die Taschenbücher auch über meine Homepage oder via Facebook bestellen. Dann gibt es natürlich eine Widmung. Hier die Aufstellung der Romance-Fantasy-Romane::
-   Sonnenwarm und Regensanft – Band 1 – Zwei Sonnen
-   Sonnenwarm und Regensanft – Band 2 – Sonnensturm
-   Sonnenwarm und Regensanft – Band 3 – Elfenstern
-   Sonnenwarm und Regensanft – Band 4 – Elfenlicht
-   Kuss der Todesfrucht
Weitere Veröffentlichungen:
-   You were always on my mind - Kurzgeschichte
Gemeinschaftsprojekte:
-   Geschichten aus aller Welt 2 - Jedes Wort ein Atemzug – Respekt für dich / Autoren gegen Gewalt – Karina-Verlag - Kurzgeschichte
-   Sonnen- und Reisegeschichten – Jedes Wort ein Atemzug – Respekt für dich / Autoren gegen Gewalt - Karina-Verlag - Gedicht
-   13 gegen den Winterschlaf – 13 Kurzgeschichten von 13 Autoren
-   13 gegen die Frühjahrsmüdigkeit – 13 Kurzgeschichten von 13 Autoren
-   13 gegen das Sommerloch – 13 Kurzgeschichten von 13 Autoren
-   13 gegen den Herbststurm – 13 Kurzgeschichten von 13 Autoren
-   Muttergefühle – Gedichte für Mütter – LevelUp Publishing
-   Magische Welten – Zwischen Licht und Schatten – Gedichte – LevelUp Publishing
-   Vergessene Flügel – Teil 1 des Gemeinschaftsthrillers von 60 Autoren – Karina-Verlag
-   Vollendete Flügel – Teil 3 des Gemeinschaftsthrillers von 60 Autoren – Karina-Verlag
-   Weihnachts-Zauber – 12 Autoren schreiben Kurzgeschichten zugunsten eines Kinderhospizes
-   Hinter den Kulissen – Wenn Worte zu Geschichten werden – Autoren schreiben zugunsten der Stiftung Brot und Bücher (Kurzgeschichte)
-   Magisches Mystisches- Jedes Wort ein Atemzug – Respekt für dich / Autoren gegen Gewalt – Karina-Verlag - Kurzgeschichte


Welches Genre bevorzugst du? Weshalb?

Eindeutig das Romantic-Fantasy-Genre. Es macht mir riesig viel Spaß, fantastische Welten zu erschaffen.
Option? Ich lese und schreibe gerne über die Liebe, es braucht also nicht unbedingt mit Fantasy in Verbindung zu stehen. Außerdem mag ich Thriller, aber nichts mit zu viel Blut.


Welcher Satz, den du selbst geschrieben hast, gefällt dir am besten?

Ui, das ist eine verflucht schwere Frage.
Ich mag es, wenn es den Punkt trifft und vielleicht noch einen Funken Humor enthält. Das sind oft nur kleine Dinge. So etwas z.B.:
„Ihr dankbarer Blick entlohnte ihn dafür. Noch ein Wesenszug, den er so an Manuela liebte: ihr großes Herz und ihre Gabe zu verzeihen.
„Ich halte trotzdem an meinem Vorschlag fest, Adol!“
Und ihre Beharrlichkeit, die liebte er auch.“


 Hast du irgendwelche Vorbilder? Wer inspiriert dich?

Das Leben, mein Kopf und meine Träume – und Ameland, eine holländische Nordseeinsel - mein Ruhepol und wahrer Ort der Inspiration.
Vorbilder? Das geht von Astrid Lindgren über J.K.Rowling / Tolkien und Grisham/ Dan Brown /Schätzing/ Nora Roberts zu Isabel Allende / Jane Austen / Ken Follet – Will heißen: Es sind viele und geht Querbeet, übrigens natürlich auch Indie-Autoren
Die Ideen kommen sozusagen zu mir, jedenfalls größtenteils. Manchmal träume ich eine Szene, oder sie ist mit einem Mal einfach in meinem Kopf. Aber ich nehme auch gerne ab und an eine von mir selbst oder von Freunden erlebte Alltagsszene und baue sie mit ein. Auch Lesen inspiriert mich natürlich. Letzen Endes lässt sich alles zusammen von mir zu einer recht flüssigen Geschichte verweben. Das finde ich unglaublich reizvoll.
Meine Geschichten geben mir oft selbst Rätsel auf. Sie kommen einfach, fließen mir regelrecht zu. Wenn ich sie einige Zeit, nachdem ich sie geschrieben habe, wieder lese, bin ich immer wieder erstaunt darüber, dass sie von mir stammen.


Mit welchem deiner Protagonisten würdest du dich gerne einmal unterhalten?

Mein Lieblingscharakter aus „Sonnenwarm und Regensanft“- Band 2 – Sonnensturm – die liebe Elfenheilerin Loana – hat mein Herz im Sturm erobert.
Im „Kuss der Todesfrucht“ ist es die Göttin Demira, auch wenn sie gar nicht so eine wichtige Rolle spielt. Aber auch der Gott Bandras ist toll, besonders sein unglaublicher Garten, in dem ich jetzt gerne sitzen und mit Bandras plaudern würde.


Was würde er dir vermutlich sagen?

Loana würde mich vermutlich zum Lachen bringen. Sie ist eine bretonische Elfe und verspricht sich des Öfteren, besonders wenn sie müde oder aufgeregt ist. Sie würde mich trösten, falls ich traurig wäre und mich mit ihrer heilenden Kraft stärken.
Mit Bandras wäre die Unterhaltung nicht ganz so einfach. Er ist unendlich alt und weise, aber auch schwierig. Vermutlich würde er mir irgendetwas Rätselhaftes sagen, etwas, das ich erst im Nachhinein verstehe.


Das Schreiben – ein Beruf oder „nur“ Hobby?

Ich habe schon noch einen Beruf, den ich in Teilzeit (dreiviertel) ausübe und mit dem ich sozusagen meine Brötchen verdiene. Dementsprechend sollte das Schreiben mein Hobby sein, doch es ist weitaus mehr als das.

Gibt es sonst noch etwas, was man über dich wissen müsste?

Ich freue mich so sehr, dass meine Bücher Anklang finden. Manche Rezis haben mich wirklich zu Tränen gerührt. Nachdem ich sie gelesen habe, setze ich mich beschwingt hin – und schreibe…. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.


Links zu dir und deinem Buch:



Hat euch das Interview gefallen? Dann schreibt mir einen Kommentar, und wenn ihr selbst Autor seid und Interesse an einer Zusammenarbeit habt, dann meldet euch gerne bei mir!

Liebe Grüße,
Eure Enya

Dienstag, 26. April 2016

Autorin im Kopf

Hallo liebe Buchfreunde,

wie ihr vielleicht in meinen letzten Blogbeitrag gelesen habt, habe ich vor kurzem den Vertrag für meine zweite Veröffentlichung unterschrieben. 
Bei meiner ersten Veröffentlichung stand ich kurz vor meinem Abitur. Natürlich, das Lernen ist dabei etwas zu kurz gekommen, doch ich war noch immer hauptberuflich Schülerin und ließ die Veröffentlichung nebenher laufen.
Jetzt jedoch bin ich nicht mehr hauptberuflich Schülerin. Momentan mache ich ein FSJ, das jedoch wird in absehbarer Zeit vorbei sein und ich werde irgendwann anfangen, zu studieren. So lange werde ich mich in erster Linie (abgesehen von vielen, vielen Reisen ;-)) um meine Bücher kümmern.
Als meine beste Freundin von meinem Verlagsangebot erfahren hatte, waren folgendes ihre ersten Wort: "Jetzt hast du das schwierigste geschafft."
Die Arbeit ist jetzt vorbei. Das Manuskript ist geschrieben, überarbeitet und hat überzeugt. Nach dem Lektorat wird es noch einmal überarbeitet und geht dann in den Druck. Cover und Titel werden vom Verlag ausgesucht - zumindest in erster Linie, wofür ich auch dankbar bin. Denn nur, weil ich das Manuskript beendet habe, heißt das nicht, dass die Arbeit vorbei ist.
Lesungen, Interviews, Pressearbeit, Buchvorstellungen und Buchmessen werden folgen. Und um jeden Zeitungsartikel, jede Rezensenten, jeden einzigen Käufer werde ich kämpfen müssen, das weiß ich jetzt aus Erfahrung.
Häufig heißt es, "berühmt" sein, wäre anstrengend. Das einzige, was noch anstrengender ist, ist nicht berühmt zu sein und trotzdem Käufer finden zu wollen. Ein Fitzek oder eine J. K. Rowling müssen nur ihren Namen auf dem Buchcover abbilden und schon allein aus diesem Grund werden mehrere hundert Leser das Buch kaufen - ob gut oder nicht.
Der Name "Enya Steinbrecher" wird jedoch wenigen Leuten etwas sagen, obwohl es bereits die zweite Veröffentlichung ist. 
Also werde ich Buchhandlungen anschreiben, sie um Lesungen und einen 12x19 Zentimeter großen Platz in ihren Regalen bitten. ich werde Zeitungen anschreiben, Blogger und Rezensenten und ihnen Rezensionsexemplare schicken - auf meine Kosten natürlich. Dafür, dass man mir vielleicht etwas Platz in einem Blog oder einem Bücherstapel einer Buchhandlung bietet.
Waren früher noch die Sorgen und Ängst vor der nächsten Matheklausur und später vor den Abiklausuren präsent, so halten mich nun andere Fragen wach. Wie komme ich an Lesungen? Wer würde mein Buch rezensieren? Welche Zeitungen kann ich anschreiben?
Plötzlich ist das Schreiben eine Arbeit geworden und ich kann mir nicht mehr vorstellen, es hauptberuflich zu machen, selbst, wenn es sich ergeben würde.
Veröffentlichungen sind Arbeit, große Arbeit und ich bewundere die Menschen, die sich diese Arbeit machen, denn sie hat längst nichts mehr mit dem Spaß zu tun, den ich vom Schreiben kenne.
Die nächste Veröffentlichung wird mir noch viel abverlangen und einiges an Arbeit kosten. Die ltezte wird es dennoch nicht bleiben.
Ich bleibe dran.

Eure Enya

Sonntag, 17. April 2016

Autorenvorstellung: Sara Brandt

Hallo liebe Buchfreunde,
heute möchte ich euch eine neue Autorin vorstellen: Sara Brandts Roman "Schattenengel" ist erst seit dem 20. März diesen Jahres erhältlich. Auch die folgenden zwei Teile der Trilogie werden noch dieses Jahr erscheinen. Wer sich für Fantasy interessiert, wird hier vielleicht auf seine Kosten kommen ;-)


Erzähle uns etwas über dich und dein Buch
Mein Name ist Sara Brandt. Am 20. März 2016 erschien der erste Band von „Schattenengel“. Es wird eine Trilogie werden, wobei die Gedanken für eine weitere Fortsetzung bereits jetzt purzeln. Geboren wurde ich 1987 in Krefeld, habe ich mich dort schon früh in meine Fantasie geflüchtet. Mittlerweile wohne ich mit meinem Partner und Verlobten Julian so wie zwei Katern in Bremen, nahe der Weser.
„Schattenengel“ ist das Produkt einer langen Entwicklung, deren Ergebnis nun endlich vorliegt ;) Dafür wollte ich etwas erschaffen, was sich durch viele Kleinigkeiten von gängigen Büchern abhebt. Kein Liebesdreieck, sondern zwei Leute, die genau wissen, was sie wollen. Keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eine, die es schon immer gab. Keine klaren Verhältnisse bei Gut und Böse, denn nichts ist so, wie es scheint.
In meinem Buch geht es dabei um zwei Kindheitsfreunde, Sam und Lizzie. Sie sind zusammen aufgewachsen und haben keine Geheimnisse voreinander- bis auf die Tatsache, dass Sam ihr verschwieg, was er in Wahrheit ist. Als Lizzie herausfindet, dass Sam kein Mensch ist, stellt sich ihre ganze Welt auf den Kopf. Engel und Dämonen sind plötzlich überall, und sie ist mittendrin in einem Krieg, der eine Seite fast an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Aus irgendeinem Grund scheinen die Engel hinter Lizzie her zu sein. Um Sam schließlich das Leben zu retten, trifft sie eine Entscheidung, die nicht nur ihr eigenes Leben verändert. Denn es scheint noch vieles mehr damit zusammen zu hängen- möglicherweise könnte Lizzies Entscheidung das Schicksal aller Lebewesen verändern.

Wie viele Bücher sind von dir bereits erschienen und wo kann ein interessierter Leser sie erwerben?
Bisher ist nur Band 1 erschienen. Band 2 („Himmel“) kommt jedoch bereits im Juni und Band 3 („Paradies“) im Oktober. Dazwischen arbeite ich an weiteren Kurzgeschichten, um meine Leser über die lange Wartezeit hinweg zu trösten ;)
Erwerben kann man sie bisher nur bei Amazon, ab Juni wird es eventuell weitere Möglichkeiten geben (Google, Thalia, Ibooks)





 Welches Genre bevorzugst du? Weshalb?
Ich lese selber sehr gerne Fantasy, so wie „Weltengänger“ von Lukianenko. Aber auch Romane a la „Die Frau des Zeitreisenden“. Wenn ein Klappentext interessant ist, lese ich bis auf Western eigentlich alles. Mir ist es wichtig, dass ich ganz in einem Buch versinken kann, dass es eine Geschichte erzählt, die ich miterleben möchte- und wo ich unbedingt herausfinden muss, wie es weitergeht.

 Welcher Satz, den du selbst geschrieben hast, gefällt dir am besten?
„Sollte die Welt doch vor die Hunde gehen, die Engel vor der Tür Schlange stehen, das spielte keine Rolle. Nicht mehr, nicht für ihn- denn das hier war richtig.“ (Stammt noch dazu aus einem meiner Lieblingskapitel, Kapitel 11.)

Hast du irgendwelche Vorbilder? Wer inspiriert dich?
Schreibende Vorbilder sind natürlich Rowling, aber auch Lewis Carroll. Rowling, weil sie eine komplett neue Welt mit so unglaublich vielen Details geschaffen hat, aus der man nicht mehr auftauchen möchte. Je mehr man sich mit dem Schreiben selbst beschäftigt, desto mehr erkennt man die Kunstgriffe, die sie angewendet hat.
Carroll finde ich klasse, weil er in „Alice in Wunderland“ alles auf den Kopf stellt, und es eine grandiose Welt ist, in der wir alle verrückt sind - und das auf verhältnismäßig sehr wenigen Seiten.

 Mit welchem deiner Protagonisten würdest du dich gerne einmal unterhalten?
Die Wahl ist schwierig. Vermutlich eher Sam, weil er ein ziemlich faszinierender Typ ist. Er verkörpert kein Klischee im eigentlichen Sinne, sondern ist einfach er selbst. Das mag ich so an ihm. Jeder trägt den Wunsch in sich, einfach nur „man selbst“ sein zu können.

 Was würde er dir vermutlich sagen?
Er würde mich fragen, was zum Henker ich mir dabei gedacht habe, sie das alles durchleben zu lassen.


 Das Schreiben – ein Beruf oder „nur“ Hobby?
Eine Mischung aus beidem, würde ich sagen. Zur Zeit schreibe ich noch in meiner Freizeit, aber es wäre auch schön, wenn sich daraus ein Beruf entwickeln könnte. Ich denke, jeder Autor träumt insgeheim davon, „entdeckt“ zu werden und so mit seiner Geschichte Millionen zu begeistern.


Gibt es sonst noch etwas, was man über dich wissen müsste?
Spontan fällt mir nichts ein, aber ich bin für Fragen offen! Ihr dürft mich gerne über meinen Blog, Facebook oder Goodreads kontaktieren. Sei es zu „Schattenengel“, Schreibtipps oder was euch sonst in den Sinn kommt.

Links zu dir und deinem Buch

Hat euch das Interview mit Sandra Brandt gefallen? Schaut doch auf ihren Seiten vorbei und schaut euch ihr Buch einmal genauer an.
Liebe Grüße
Eure Enya

Donnerstag, 7. April 2016

Der Kritiker in mir

Hallo liebe Buchfreunde,

Die Schreiberlinge unter euch kennen ihn sicher. Den Kritiker, der immer auf eurer Schulter sitzt, seine Krallen in euer Fleisch gräbt und beim Schreiben heimlich auf einen Absatz zeigt und dann abfällig den Kopf schüttelt.
Wenn ich ehrlich bin, so kenne ich ihn auch, da ich aber erst nach Fertigstellung eines Manuskriptes entscheide, ob das Buch für die Öffentlichkeit oder nur für mich ist, gelingt es mir zumindest während der Schreibphase, ihn zu ignorieren. Dann jedoch schlägt er zu, und zwar mit aller Macht.
In der letzten Zeit habe ich mich etwas zurückgehalten damit, weitere Manuskripte an Verlage zu schicken. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich einen neuen Jugendroman an mehrere Verlage geschickt, von denen ich jedoch kollektiv Absagen erhalten hab. Und je mehr eintrudelten, desto weniger mochte ich mein Manuskript selbst. Vielleicht ein Fehler, jetzt jedoch landete es erst einmal in der altbekannten Schublade und wartet dort darauf, dass ich mich ihm vielleicht in ein, zwei Jahren nochmal zuwende.
Nachdem ich meinen Schulabschluss gemacht habe, lag es mir nahe, mich in meinem nächsten Roman genau diesem Thema zu widmen, was ich auch getan habe.
"The last Summer" ist ein Jugendroman, in dem ich so ziemlich alles verarbeitet habe, was sich während und nach der Klausurenphase angebahnt hat. Der Stress, das viele Nachdenken über die Zukunft, die Leute, von denen ich mich distanziert habe und jene Freunde, die ich dann erst kennen gelernt habe. In dem letzten Jahr habe ich mich vielleicht so stark verändert wie in den achtzehn davor nicht. Und genau diese Wandlung macht auch Mia, die Protagonistin meines Romans, durch.
Wieder mal ein Thema, das mir sehr wichtig ist, zumal ich das Buch für meine jetzige beste Freundin geschrieben habe. Nichts, was man leichtfertig verschenken will.
Also kam schließlich die Suche nach einem Verlag. Zwei Absagen, direkt hintereinander. Und wieder kam der Kritiker in mir hoch: 
"Lass es doch, scheinbar will es keiner", flüsterte er leise in mein Ohr. "Hättest dich wohl besser aufs Lernen konzentrieren sollen, anstatt dich mit deinen Kinderstorys abzulenken, dann könntest du jetzt Medizin studieren."
Ich hab ihn ignoriert. Mit einer Handbewegung fegte ich ihn von meiner Schulter und machte weiter, doch auch er wollte nicht aufgeben. Interessiert sah er mir zu, wie ich nach Verlagen googelte, mich bei Kollegen umhörte und mich über Agenturen informierte.
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, Verlage selbst anzuschreiben und wollte mich an eine Agentur wenden. Das Teufelchen auf meiner Schulter lachte leise: "Viel Spaß", zwitscherte es und wollte von meiner Schulter klettern.
"Was meinst du?", fragte ich ihn, jetzt auch unsicher geworden. Der Teufel schüttelte nur den Kopf, doch ich ließ nicht locker, bis er schließlich meinte: "Wenn du es nicht schaffst, einen Verlag zu überzeugen, wie willst du eine Agentur von deinem Manuskript begeistern?"
Ich habe besonders im letzten Jahr ein gesundes Maß an Selbstvertrauen aufgebaut und habe Ablehnungen nie persönlich genommen. Wenn jedoch zwei Manuskripte, in die man eine Menge Arbeit gesteckt hat, immer abgelehnt werden, beginnt man zu zweifeln. Natürlich, sogar große Bücher wurden teils viel öfter abgelehnt, als meine.
Wenn dann noch Verwandte und Freunde immer wieder nachfragen, wann denn das nächste Buch kommen würde und man irgendwann nur noch mit einem gemurmelten "Mal schauen" antwortet, das nur man selbst richtig interpretieren kann, verliert man die Lust. Ich wollte gar keinen Verlag mehr anschreiben, jetzt nicht. Erstmal mein neuestes Projekt beenden und in einem Jahr noch einmal schauen.
Dann jedoch kam alles anders.
Heute morgen landete eine Mail in meinem Postfach, von einem Kleinverlag, zu dem ich über einige Autorenkollegen gekommen bin, die dort auch schon veröffentlicht hatten.
"Wir haben dein Werk geprüft...", las ich als erstes und dachte mir: So schnell bekommst du keine Zusage. Noch eine Absage also.
"...und es handelt sich um Werk, das wir gern veröffentlichen würden."
Lange Rede, kurzer Sinn: Das Warten hat ein Ende. Mein innerer Kritiker hat für das nächste halbe Jahr den Mund zu halten. Die zweite Veröffentlichung wird folgen.

Eure Enya

Mittwoch, 6. April 2016

Autorenvorstellung: Ronny Behr

      Hallo liebe Buchfreunde,
    Wie bereits angekündigt, möchte ich dieses Jahr meine Autorenvorstellungs-Reihe fortsetzen. Heute geht es weiter mit Ronny Behr. 1978 in Leipzig geboren schreibt er momentan hauptsächlich Fachbücher. Seine Bücher bewegen sich vor allem im Bereich "Management", "Coaching" und "Führungsstil".
      Weiteres wird er euch nun in einem kleinen Interview mit mir selbst erzählen:



          Erzähle uns etwas über dich und dein Buch
Ich habe in meinem Berufsleben verschiedene Stationen hinter mir. Vermutlich auch noch vor mir.
Aktuell arbeite ich als Project Manager in einem ziemlich großen Call Center mit vielen Standorten. Ich leite mehrere Teams mit insgesamt etwas über 100 Mitarbeitern.

Mit meinem Buch möchte ich vor allem junge Führungskräfte oder diejenigen, die es werden wollen, erreichen. Als ich meine ersten Schritte als Führungskraft getan habe, war ich zwar theoretisch bereit, jedoch fehlte mir natürlich die Erfahrung. Daher weiß ich genau, welche Hürden am Anfang zu nehmen sind. In meinem Buch habe ich daher den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge gelegt. Alles was mir zu theoretisch erschien, habe ich ausgespart. Alles was praktisch ist, habe ich ausführlich erklärt. Dadurch ist so eine Art Ratgeber entstanden, der aus meiner Sicht wirklich sofort anwendbares Wissen vermittelt. Ich glaube sogar, dass man sich mit meinem Buch in der Hand hinsetzen und direkt Führungskraft sein kann. Es ist natürlich nicht so, dass man nur das Buch lesen muss um plötzlich die beste Führungskraft auf diesem Planeten zu werden. Ein bisschen muss man dann doch selbst machen. Aber die wichtigen Elemente sind drin.  


2  Wie viele Bücher sind von dir bereits erschienen und wo kann ein interessierter Leser sie erwerben?
Insgesamt habe ich schon vier kleine Bücher veröffentlicht. Drei davon beschäftigen sich gezielt mit der Arbeit als Führungskraft. Eines davon ist eher eine indirekte Hilfestellung. Ein Malbuch für Erwachsene. Ich hatte das mal in einem Fernsehbericht gesehen und habe dieses Konzept schlichtweg für Führungskräfte „umgemünzt“. Herausgekommen ist ein (wirklich sehr einfaches) Malbuch mit dem Ziel an die Arbeit zu denken. Erst dadurch schaffen wir für den Geist den Raum, die Erlebnisse und Informationen des Berufes auch entsprechend zu verarbeiten. Die drei Bücher, welche den Fokus auf Personalentwicklung haben, sind im Grunde jeweils Teil einer Reihe bzw. eines Gesamtkonzeptes. Ich publiziere nebenbei auf meiner Webseite weitere Artikel rund um die Arbeit als Führungskraft. Die Artikel umreißen bestimmte Themen und geben grundlegende Hilfestellung. Die Bücher runden das Ganze sozusagen ab. Als Plattform habe ich mir für Amazon entschieden. Ich erreiche dort (theoretisch) viele potentielle Leser.


 Welches Genre bevorzugst du? Weshalb?
Nunja, als Autor eher Fachbücher mit dem Schwerpunkt der Mitarbeiterführung. Als Leser bin ich wirklich oft mit Krimis bzw. Thriller beschäftigt. Ursula Poznanski ist hier meine Lieblingsautorin. Am meisten mag ich ihre Eleria-Trilogie. Die Geschichte ist sehr spannend und lässt die Fantasie explodieren.


 Welcher Satz, den du selbst geschrieben hast, gefällt dir am besten?
Das ist eine recht schwierige Frage. Immerhin habe ich ja schon dem einen oder anderen Satz geschrieben. Bedeutsam ist jedoch auf jeden Fall der folgende Satz:
Du wirst eine erfolgreiche Führungskraft, wenn Du Deinen Mitarbeiter in den Fokus rückst.
Ich bin überzeugt, dass wirklich gute Chefs ihrem Mitarbeiter in gewisser Weise dienen sollten. Nur wenn ich dafür sorge, dass es meinem Team gut geht, wird es am Ende ein erfolgreiches Team sein.



Hast du irgendwelche Vorbilder? Wer inspiriert dich?
Inspiration finde ich überall. Konkrete Vorbilder fallen mir, ehrlich gesagt, spontan nicht ein. Aber ich nenne bei solch einer Frage gern Frank Bettger. Er hat mal ein Buch geschrieben. „Lebe begeistert und gewinne“. Dieses Buch fand ich sehr inspirierend. Begeisterung ist einer der Schlüssel für Erfolg im Leben.


Mit welchem deiner Protagonisten würdest du dich gerne einmal unterhalten?
Nun, da ich Fachbücher schreibe, habe ich keinen richtigen Protagonisten. Der Protagonist in meinen Büchern heißt irgendwie immer „Du“ ;) Aber falls dieser „Du“ mal eine Frage hat, kann er mir sie gern stellen. Über meine Webseite oder meine Facebook-Seite kann man mich gern erreichen.


 Was würde er dir vermutlich sagen?
„Du“ würde vermutlich ein paar Fragen zu meinem dritten Buch haben. Darin geht es um Körpersprache mit Schwerpunkt Kommunikation. Mein eigenes Lesegefühl sagt mir, dass dieses Buch etwas „unflüssig“ geschrieben ist. Für den Moment fallen mir jedoch keine besseren Worte ein. Das Thema für sich ist recht schwierig. Ich glaube jedoch, das „sofort anwendbare Wissen“ trotzdem gut verpackt zu haben.


Das Schreiben – ein Beruf oder „nur“ Hobby?
Naja, irgendwie in meinem Fall schon Beruf und Hobby. Das Schreiben weckt in mir eine gewisse Befriedigung. Nach Maslow würde ich das vermutlich bei der Selbstverwirklichung einordnen. Das ist schon eine ziemlich hohe Stufe der Maslowschen Pyramide.
Sehr spannend ist auf jeden Fall die Erfahrung als Autor. Zwei meiner Bücher waren wirklich wochenlang Kategorie-Bestseller. Interessant dabei war zu erleben, wie wenig es letztlich an Tantiemen gibt. Da soll nochmal einer sagen, dass Bestsellerautoren „fett verdienen“.


Links zu dir und deinem Buch:


Wer nun Interesse bekommen hat, kann sich gerne auf seinen Seiten umsehen. Bald werden weitere Autorenvorstellungen online kommen. Habt ihr Vorschläge oder seid selbst Autor? Dann schreibt mir gerne einen Nachricht und ich setze mich mit euch in Verbindung!

Liebe Grüße,
Eure Enya

Montag, 28. März 2016

Polaroidgedanken #01

Hallo liebe Buchfreunde,

In meinem ersten Post des Jahres 2016 habe ich euch bereits von meiner neuen Reihe erzählt, die ich starten möchte. Sie nennt sich "Polaroidgedanken" und wir ein kurzer und fiktiver Text sein, der nur aus einem kurzen Augenblick besteht - so, als würde man ein Polaroidfoto betrachten (daher auch der Name... klingt logisch, oder?).
Die Idee dazu habe ich von einer lieben Freundin, die so etwas ebenfalls auf ihrem Blog gestartet hat. Den Link dazu habe ich euch bereits in meinem ersten Post gesetzt.
Nun genug der großen Worte. Hier mein erster Text in meiner Reihe "Polaroidgedanken":

Bodenlos.

Ganz allein steht sie am Abgrund. Unter ihr rauscht das Meer. In weiter Ferne am Horizont sind weiße Punkte zu erkennen. Segelschiffe.
Die untergehende Sonne spiegelt sich auf dem Meer, das in der Ferne glatt wie ein Spiegel ist.
Sie stand schon so oft hier oben, die Fußspitzen an der Klippe, unter den Zehen bröckeln die ersten Steinchen weg. Wenn sie fallen, so fallen sie tief und von hier oben ist es kaum zu erkennen, ob sie in den Tiefen des Meeres versinken oder an den großen Felsen im Wasser zerschellen.
Die Anziehung der Tiefe ist magisch. Plötzlich fühlen sich ihre Füße viel schwerer an, ihr Körper scheint dem Ruf der Tiefe endlich nachgeben zu wollen, doch sie gehorcht nicht. Regungslos blickt sie nach unten.
Leicht bewegt sie die Zehen, nur, um erschreckt die Luft anzuhalten, als sich ein Kieselstein unter ihren Schuhen löst. Wie in Zeitlupe prallt er auf den kleinen Vorsprung unter ihr, kaum zwei Finger breit, bevor er in der Tiefe verschwindet.
Es ist jetzt fast ganz dunkel geworden.
Noch immer ragen ihre Zehen ein kleines Stück über den Abgrund und sie fühlen die unendliche Schwere und Bodenlosigkeit. Es könnte so einfach sein. Ein Schritt genügt. Nur die Angst hält sie zurück. Sie schließt die Augen und breitet die Arme aus.
Nicht dieses Mal.